Sozialphobie

.Ursachen

Das Gehirn ist ein Netzwerk
Jede Nervenzelle steht mit tausend anderen in Verbindung. Die Überleitung von einer Nervenzelle zur nächsten findet an einer speziellen Einrichtung der Nervenzelle statt: der Synapse. Durch die Freisetzung winziger Partikel chemischer Substanzen (Transmitter) wird in der folgenden Zelle eine bestimmte Reaktion ausgelöst. Dies kann die Weiterleitung (Bahnung) eines Signals oder seine Blockierung bedeuten. Ein ausgewogenes elektrochemisches Gleichgewicht von Übertragung und Hemmung ist notwendig, körperliche und seelische Funktionen aufrecht zu erhalten. Ausgeglichenheit der Seele entspricht einer Balance der hemmenden und bahnenden Transmittersubstanzen. Starke und andauernde Reize, wie z. B. Stress und belastende Ängste, fördern die Ausschwemmung von Transmittern. Dadurch stellt sich eine Gefühlsleere, eine Abgestumpftheit, Überdruss ein. Ruhe und Rückzug werden wichtiger. Auch bei Menschen, deren Depression als genetisch ("endogen") gilt, spielen Frustration, Rückzug und das "Nichts-Spüren-Müssen" von seelischem Schmerz und Verzweiflung eine große Rolle. Unsere Kompetenz, Entscheidungen zu fällen, wird schwächer, wenn Transmitter fehlen. Wer sich als Persönlichkeit schwach fühlt, hat auch geringen Selbstwert, und es fällt ihm schwer, Entscheidungen zu treffen, initiativ zu sein. Kreativität bleibt auf der Strecke und auch die Fähigkeit sich fallen zu lassen und Hilfe annehmen zu können - ein Teufelskreis.

Was bedeutet Mangel an Transmitterstoffen?
Neurotransmitter oder Transmitterstoffe werden von manchen auch "Glückshormone" genannt. Diese Bezeichnung ist zwar einprägsam, aber nicht ganz exakt: Hormone sind Botenstoffe, die unabhängig von den Nervenzellen ihre Wirkung entfalten. Neurotransmitter hingegen arbeiten an der Übertragung von Impulsen von einer Nervenzelle zu einer anderen und sie übermitteln viel mehr als nur die Glücksfunktion. Ihre Konzentration im Blut ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend für ihre Funktion.

Was ist nun ihre "Funktion?
Es gibt viele verschiedene Neurotransmitter, die unterschiedliche Reaktionen im zentralen und peripheren Nervensystem zur Folge haben. Wie wichtig ihre Funktion ist, zeigt sich deutlich, wenn ein Mangel eines Botenstoffes besteht: Mangel an Serotonin z. B. kann bedeuten: Depression, Panik-, Angst- und Zwangsstörungen, aber auch Schmerzen durch Muskelverspannungen. Noradrenalin, chemisch dem Adrenalin (das Stress- und Aktivitätshormon) sehr ähnlich, hat im Gehirn ganz andere Funktionen, als an den Blutgefäßen oder am Herz. Im Gehirn ist Fehlen von Noradrenalin auch für eine Form von Angst, für Depressivität und negatives Selbstwertgefühl zuständig. Es gibt noch zahlreiche weitere Neurotransmitter, deren Funktion nur teilweise erforscht ist. Fest steht aber, dass sie alle in ihrer Funktion zusammengehören und dass psychische Veränderungen auch als Turbulenzen im Zusammenspiel der Transmitterstoffe gesehen werden können. Da es sich hier um ein sehr labiles Gleichgewicht handelt, gilt es, sehr feinfühlig mit psychischen Problemen umzugehen und alle Interventionen, seien es medikamentöse, chirurgische oder psychologische, sehr sorgfältig zu überlegen.

Stark vereinfacht kann man also sagen, dass eine Depression, eine Generalisierte Angststörung oder eine Sozialphobie aufgrund des Fehlens von Transmittersubstanzen im synaptischen Spalt zustande kommen können.

Mehr Information zum Thema Depression finden Sie auch in unserem Patientenratgeber.