Allgemeine Einnahmehinweise
Was ist bei der Einnahme von Antidepressiva zu beachten?
Wenn Sie und Ihr Arzt sich zur medikamentösen Behandlung entschlossen haben, können Sie selbst wesentlich zum Erfolg der Therapie beitragen, indem Sie einige wichtige Punkte beachten:
- Nehmen Sie das verordnete Medikament unbedingt in der vom Arzt empfohlenen Weise ein.
- Antidepressiva
wirken in der Regel nach 1-2 Wochen, manchmal kann es aber auch etwas länger dauern. Sollten Sie nach 4-6 Wochen noch immer keine Wirkung bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er wird dann eine Dosisanpassung vornehmen oder Ihnen ein anderes Medikament verordnen.
- Antidepressiva verursachen manchmal Übelkeit, meist hilft hier die Einnahme des Medikamentes zu einer Mahlzeit. Wenn Sie diese oder andere Nebenwirkungen bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Setzen Sie das Ihnen verordnete Medikament keinesfalls selbstständig ab.
- Hören Sie nicht mit der Medikamenteneinnahme auf, wenn es Ihnen besser geht. Laut WHO (Weltgesundheitsbehörde) sollen Antidepressiva mindestens sechs Monate eingenommen werden, um einen langfristigen Heilungserfolg zu ermöglichen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen dauerhaft besser geht, sprechen Sie unbedingt vor dem Absetzen des Medikamentes mit Ihrem Arzt.
- Moderne Antidepressiva machen auch bei längerfristiger Einnahme nicht süchtig, auch wenn Ihnen Ihr Arzt die Einnahme nach sechs Monaten weiterempfiehlt. Ein zu früher Abbruch der Therapie erhöht das Risiko für das Wiederauftreten der Depression.
- Kombinieren Sie keine Antidepressiva, ohne vorher mit Ihrem Arzt zu sprechen, da sich diese in der Wirkung verstärken können. Wenn Sie Medikamente verschrieben bekommen oder in der Apotheke kaufen (auch rezeptfreie) oder pflanzliche Präparate (z. B. Johanniskraut), weisen Sie Ihren Arzt oder Apotheker auf die Einnahme des Antidepressivums hin.
- Versuchen Sie, Ihre sozialen Kontakte und Hobbies beizubehalten. Gespräche mit nahestehenden Menschen, Bewegung und Sport können die Depressionstherapie wesentlich unterstützen.
- Bewegen Sie sich so oft Sie können in der freien Natur - Sport und Spaziergänge an der frischen Luft hellen die Stimmung auf.
Tipps für den Arztbesuch
Für viele Betroffene ist es am Anfang unangenehm mit Anderen über ihre Krankheit zu sprechen. Gerade bei einer Depression oder einer Angsterkrankung ist es aber wichtig, mit dem Arzt detailliert über seine emotionalen und körperlichen Beschwerden zu sprechen. Je genauer sich der Arzt ein Bild von Ihrem Gesundheitszustand machen kann, desto leichter kann er eine
Diagnose
stellen und Sie im Anschluss über den für Sie bestmöglichen Behandlungsplan informieren.
Ihr Arzt wird Ihnen bei Ihrem ersten Besuch einige Fragen über Ihre Symptome (Beschwerden), Ihre medizinische Vorgeschichte und Ihre Familiengeschichte stellen. Versuchen Sie daher die folgenden Informationen für das Gespräch vorzubereiten:
- Schreiben Sie eine Liste mit Ihren körperlichen und emotionalen Beschwerden. Notieren Sie sich zu jedem Symptom das ungefähre Datum, wann die Beschwerden begonnen haben. Falls Ihnen irgendwelche Auslöser oder andere Besonderheiten aufgefallen sind, notieren Sie diese ebenfalls.
- Bereiten Sie eine Liste mit jenen Medikamenten vor, die Sie einnehmen. Notieren Sie hier nicht nur von Ihrem Arzt verschriebene Arzneimittel sondern auch pflanzliche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel.
- Notieren Sie alle Ihre Krankheiten. Vergessen Sie hierbei nicht auf chronische Erkrankungen wie z. B. hohen Blutdruck oder Diabetes.
- Erinnern Sie sich an einschneidende Erlebnisse, die erst kürzlich stattgefunden haben. Vergessen Sie hierbei nicht auf die positiven Erfahrungen wie z. B. Heirat.
- Schreiben Sie eine Liste mit Verwandten, die an einer Depression oder Angststörung gelitten haben. Gibt es in Ihrer Familie Fälle von unberechenbarem Verhalten, Alkoholsucht, Drogensucht oder Selbstmord?
- Zu guter Letzt notieren Sie bitte alle Behandlungen, die Sie in der Vergangenheit bereits ausprobiert haben. Vergessen Sie hierbei nicht auf alternative Behandlungen wie z. B. Meditation oder Akupunktur.
Wann ist es sinnvoll, einen Arzt zu konsultieren?
- Veränderungen im logischen Gedankengang: Verlangsamungen, Beschleunigungen, Sprunghaftigkeit
- Gedächtnisstörungen: Ausblendungen, Tilgungen, Gedächtnisverlust, Vergesslichkeit
- Unerklärliche Stimmungsschwankungen, besonders, wenn diese rasch und unvorhersehbar ablaufen (von normaler Stimmung zu Gereiztheit oder Euphorie - ohne erkennbaren Anlass)
- Alle Störungen, bei denen ein Wechsel der Bewusstseinslage vorkommt (Anfälle, Verwirrtheit, Starre, Durchbrüche von Emotionen)
- Veränderungen im subjektiven Erleben von Affekten: Fehlen von Gefühlen bzw. Gefühlserleben. Lust- und Interesselosigkeit, Entscheidungsschwierigkeiten, Ziel- und Sinnlosigkeit
- Anhaltende Schlafstörungen (länger als zwei Wochen)
- Antriebsstörungen: gehemmter oder gesteigerter Antrieb, das innerliche Gefühl, immer dieselben Gedanken denken zu müssen, innerlich unruhig, "zu eng in der Haut", "wie ein Löwe im Käfig"
- Immer wiederkehrende Schuldgefühle und quälende Selbstvorwürfe, Selbstmordgedanken, auto- und heteroaggressive Verhaltensweisen (Verletzungen, Vergiftungen, rücksichtsloses Fahren, fatales Spielen) und deren Androhung
- Ess-Störungen: Bulimie (Fress-Brechsucht) und Anorexie (Magersucht)
- Sucht und wiederholter Substanzmissbrauch, Alkohol, Drogen
- Angst, Panikattacken, anfallsweise und unvorhersehbare Angstsymptomatik mit körperlichen Beschwerden. Hartnäckige Phobien, die klassischen Angst- und Zwangsneurosen
- Alle Störungen, bei denen körperliche, vor allem vegetative Symptome auftreten (Schweißausbrüche, Herzbeschwerden, Muskelverspannungen …)
- Verfolgungsideen, -gefühle und -wahn
- Erinnerungsfälschungen, Illusionen, Anmutungserlebnisse, Halluzinationen