- Ist eine Depression heilbar?
- Ich glaube, ich leide an einer Depression. Wo finde ich Hilfe?
- Es scheint, dass heutzutage mehr Menschen depressiv sind als in der Vergangenheit. Nimmt die Häufigkeit der Depression zu?
- Was unterscheidet Trauer von einer Depression?
- Wann handelt es sich bei einer depressiven Stimmung um eine normale Reaktion und wann um eine echte Major Depression?
- Wie reagieren die meisten Menschen, wenn bei Ihnen die Diagnose "Depression" gestellt wird?
- Mit welchen Reaktionen anderer Menschen kann ich rechnen?
- Welche Formen der Angst gibt es?
1. Ist eine Depression heilbar?
Die Genesung von einer Depression ist heute möglich und dank der
Antidepressiva
und anderer verfügbarer Behandlungsalternativen erfahren die meisten Menschen eine Besserung. Die Genesung kann Zeit beanspruchen und in diesem Zeitraum kann eine Psychotherapie ("Gesprächstherapie") einen glatten Übergang unterstützen. Viele Patienten sagen, dass eine medikamentöse Therapie gemeinsam mit einer Gesprächstherapie eine bessere Wirkung hat als die jeweiligen Therapieformen alleine. Die Patienten können gemeinsam mit ihrem Arzt entscheiden, welche Behandlungsmethode für sie die beste ist.
Eine Depression kann aber auch eine chronische Erkrankung sein, die jedoch mit einer entsprechenden Behandlung in den meisten Fällen gut in den Griff zu bekommen ist.
2. Ich glaube, ich leide an einer Depression. Wo finde ich Hilfe?
Sprechen sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens. Er oder sie wird in der Lage sein, die Zeichen und Symptome der Depression mit Ihnen zu besprechen und mögliche körperliche Ursachen auszuschließen. Nach
Diagnosestellung
kann Ihr Arzt Ihnen ein Antidepressivum verschreiben oder Sie für eine weitere Beurteilung und Behandlung an einen Psychiater und/oder anderen Therapeuten überweisen. Möglicherweise finden Sie auch in Ihrer Gemeinde, im örtlichen Krankenhaus oder bei einer Telefon-Hotline in Ihrer Gegend Hilfe.
3. Es scheint, dass heutzutage mehr Menschen depressiv sind als in der Vergangenheit. Nimmt die Häufigkeit der Depression zu?
Die Depression ist häufig. Die "Melancholie", eine der frühesten Bezeichnungen für eine Depression, geht bis auf Hippokrates zurück. Dennoch ist die Frage nicht ganz einfach zu beantworten. Untersuchungen haben nachgewiesen, dass die Zahl der diagnostizierten Fälle einer Depression und die Zahl von Verschreibungen von Antidepressiva zunehmen. Man weiß aber nicht, ob es sich dabei um eine echte Zunahme der Depression durch die Belastungen des modernen Lebens (Stress) handelt, oder aber lediglich um das Ergebnis eines gesteigerten Bewusstseins gegenüber der Depression als behandelbarer Erkrankung.
4. Was unterscheidet Trauer von einer Depression?
Trauer ist die natürliche Reaktion auf den Verlust einer wichtigen Bezugsperson. Als menschliche Wesen bilden wir früh (praktisch ab der Geburt) starke Bindung untereinander aus, die häufig wichtige Entscheidungen in unserem Leben beeinflussen. Wenn wir eine wichtige Bezugspersonen aus unserem Leben verlieren, ist es nur natürlich, dass wir Traurigkeit oder andere depressive Symptome wie Appetitlosigkeit und Schlafstörungen verspüren. Tatsächlich werden etwa 30 Prozent derjenigen, die einen wichtigen Menschen verloren haben, noch 2 Monate nach diesem Verlust derartige Symptome aufweisen, die jedoch in der Regel innerhalb von sechs Monaten zurückgehen. An einer Depression erkrankte Menschen haben in der Regel ein Gefühl von Wertlosigkeit, Schuld und/oder niedriger Selbstachtung, das bei normalem Trauerreaktionen nicht üblich ist. Bei einigen kann eine Trauerreaktionen in eine Major Depression übergehen. So werden zum Beispiel 15 Prozent der trauernden Mensch innerhalb von einem Jahr nach dem Verlust an einer Major Depression erkranken.
5. Wann handelt es sich bei einer depressiven Stimmung um eine normale Reaktion und wann um eine echte Major Depression?
Wir alle haben Tage, an den wir uns "deprimiert" fühlen. Normalerweise ist dieses Gefühl nur vorübergehend und wir können uns am nächsten Tag super fühlen. Außerdem können wir auch an schlechten Tagen noch an Dingen Gefallen finden. Manchmal hält das Gefühl der Traurigkeit mehrere Tage oder sogar eine Woche an. Dazu kommt es häufig nach dem Scheitern einer Beziehung oder anderen unangenehmen Ereignissen. Es kann zwar vorkommen, dass sie einige der Symptome einer Depression aufweisen, solange jedoch nicht mehrere Symptomen vorliegen, die zudem die Leistungsfähigkeit im Alltag beeinträchtigen, ist es unwahrscheinlich, dass Sie wirklich an einer Major Depression leiden. Denken Sie daran, dass die Diagnose einer Depression nur dann gestellt wird, wenn diese Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen jeden oder zumindest fast jeden Tag vorliegen. Auch wenn Sie nicht an einer Major Depression erkrankt sind, können Sie dennoch an einer leichteren Form der Depression oder an einer Anpassungsstörung leiden, bei deren Bewältigung professionelle Hilfe nützlich wäre. Ein geschulter Experte ist in der Lage, zwischen einer Phase, in der Sie "einen Moralischen haben" und einer klinischen Depression zu unterscheiden. Wenn Sie mehr über die Zeichen einer Depression erfahren möchte, lesen Sie unter
"Symptome der Depression
" nach.
6. Wie reagieren die meisten Menschen, wenn bei Ihnen die Diagnose "Depression" gestellt wird?
Für die meisten Menschen ist die klare Diagnose eine Erleichterung. Häufig ist die Reaktion selbst dann, wenn die Diagnose Monate oder Jahre nach dem ersten Auftreten von Symptomen gestellt wird: "Jetzt weiß ich wenigstens, was ich habe." Für andere ist diese Diagnose jedoch ein fürchterlicher Schock. Viele Menschen schämen sich, an einer seelischen Krankheit zu leiden. Beide Reaktionen sind normal. Selbst wenn die eindeutige Diagnose einer Depression gestellt und angenommen worden ist, bieten die unbekannten Größen Grund für zusätzliche Sorgen: Verlauf und Ausgang der Erkrankung; Sorge um den Arbeitsplatz; Auswirkungen auf die Familie; Frustrationsgefühle aufgrund körperlicher und seelischer Einschränkungen. Es ist nicht unüblich, dass sich dieser Sorgen als Ärger, Frustration und/oder Traurigkeit ausdrücken. Es ist wichtig, zu wissen, dass eine Depression behandelbar ist und eine gute
Prognose
(vorhergesagter Krankheitsverlauf) hat. Wie auch immer Sie reagieren, denken Sie daran, dass sie nicht alleine sind und dass eine Depression ein häufiges und sehr gut behandelbares Ereignis darstellt.
7. Mit welchen Reaktionen anderer Menschen kann ich rechnen?
Es kann passieren, dass Familienmitglieder und Freunde unwissentlich mehr von der depressiven Person erwarten, als er/sie in der Lage ist, zu tun. Man sieht einer Person, die unter Müdigkeit und Schwäche leidet - zwei Symptome der Depression, die ohne deutliche Zeichen einer körperlichen Behinderung auftreten können - nicht immer an, dass es ihr schlecht geht. Andere können diese und weitere Symptome der Depression als Charakterschwäche ansehen. So wird die Müdigkeit zum Beispiel häufig als Faulheit oder Mangel an Initiative interpretiert und eine depressive Stimmung manchmal als Selbstmitleid betrachtet. Diese Reaktionen können dazu führen, dass der Patient beginnt, an seinem Selbstwert zu zweifeln. Es ist wichtig, dass sie diese Punkte mit ihrem Therapeuten besprechen und Wege finden, damit umzugehen. Ihr Arzt und Ihr Therapeut können Ihnen Hinweise geben, wie Sie anderen helfen können, Ihren Zustand und die Genesung zu verstehen.
8. Welche Formen der Angst gibt es?
Generalisierte Angststörung
Die
generalisierte Angststörung
ist gekennzeichnet durch Angst vor allem und jedem und ist nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt, sondern frei flottierend. "Generalisiert" heißt, dass diese Form der Angststörung durch übertriebene, unrealistische, andauernde Besorgnisse, Ängste und Befürchtungen in bezug auf vielfältige Aspekte des Lebens charakterisiert ist. Diese Ängste dauern mindestens sechs Monate an, ohne dass die Betroffenen sie kontrollieren können, obwohl ihnen klar ist, dass sie unbegründet sind. Die Personen leiden unter ständigen unkontrollierbaren Sorgen und Befürchtungen, die sich im wesentlichen um die alltäglichen Dinge des Lebens drehen. Beispielsweise sorgt sich eine Hausfrau und Mutter, dass ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, dass er seinen Job verliert. Aus ständiger Angst um die Kinder müssen diese permanent über das Handy erreichbar sein. Sie hat Angst, dass die Tochter schwanger wird, der Sohn Drogen nimmt, der Mann sie betrügt. Entspannungsphasen sind immer seltener möglich und Schlafstörungen können dazukommen.
Panikstörung
Eine
Panikstörung
besteht aus wiederholten Panikattacken. Die Angstanfälle sind nicht auf eine spezifische Situation oder ein spezifisches Objekt bezogen und treten oft spontan auf, das heißt, sie sind nicht vorhersagbar. Die Panikattacken sind nicht verbunden mit besonderen Anstrengungen oder bedrohliche Situationen. Eine Panikattacke ist gekennzeichnet durch intensive Angst oder Unbehagen, beginnt abrupt, erreicht innerhalb von Minuten einen Höhepunkt und dauert mindestens einige Minuten. Sie ist begleitet von Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen, Atembeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Unsicherheit, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben. Durch diese Panikattacken kommt in der Folge die Erwartungsangst dazu, dass eine neuerliche Panikattacke auftreten könnte, welche die Lebensqualität deutlich einschränkt.
Agoraphobie (Platzangst)
Ein Mensch mit einer
Agoraphobie
vermeidet auf Grund seiner Furcht ständig bestimmte Orte und Situationen, wie beispielsweise Menschenmassen, öffentliche Plätze, allein reisen oder Reisen zu weit von Zuhause entfernt. Agoraphobiker fürchten sich primär nicht vor bestimmten Orten, Situationen oder Menschenansammlungen, sondern davor, was ihnen dort passieren könnte, wenn sie allein und schutzlos sind, das heißt ohne ein Sicherheitssignal (vertraute Person, Handy, Medikament, Fluchtweg etc.). Die Angstsymptome werden ausgelöst, wenn die Betroffenen ihre gewohnte und sichere Umgebung verlassen, keine schützenden und vertrauten Personen um sich haben und keine Fluchtmöglichkeit vorfinden. Das zentrale Gefühl ist "Du sitzt in der Falle!" Agoraphobiker leiden unter einer mangelnden Situationskontrolle.
Soziale Phobie
Angst davor, von anderen beurteilt, prüfend betrachtet und möglicherweise kritisiert zu werden - oder überhaupt im Blickpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen: das macht eine
soziale Phobie
aus. Wer darunter leidet, wird die gefürchteten Situationen tunlichst meiden, da er sie nur unter großer Anstrengung überstehen kann, und wird seine sozialen Kontakte dadurch mehr und mehr einschränken. Eine Sozialphobie besteht im wesentlichen aus einer Beurteilungsangst. Die Betroffenen wissen zwar, dass ihre Ängste übertrieben oder unbegründet sind, sie können ihr Angst- und Vermeidungsverhalten aber nicht kontrollieren. Als Folge der Angst treten in sozialen Situationen auch verschiedene körperliche Symptome wie etwa Erröten, Schwitzen, Zittern, Übelkeit mit Brechreizneigung, Harn- oder Stuhldrang auf. Typische Situationen, in denen soziale Ängste auftreten, sind beispielsweise sich in der Gegenwart anderer äußern, bei einem bestimmten Anlass öffentlich in Erscheinung zu treten, Personen des anderen Geschlechts ansprechen, Essen und Trinken mit anderen, Teilnahme an Gruppenaktivitäten, telefonische Kontakte, unter Beobachtung anderer schreiben oder eine Unterschrift leisten, in einer Leistungssituation von anderen beobachtet werden, in einem Lokal in der Mitte sitzen, Besuch öffentlicher Toiletten, Bewerbungsgespräche vornehmen etc.
Spezifische Phobien
Bei einer
spezifischen Phobie
besteht eine eng umschriebene Angst vor bestimmten, an sich ungefährlichen Objekten und Situationen, das heißt vor Reizen außerhalb des eigenen Körpers.
Die spezifischen Phobien werden eingeteilt:
- Tier-Typ (z.B. Insekten, Hunde)
- Naturgewalten (z.B. Sturm, Wasser)
- Blut-Injektions-Verletzungstyp
- Situativer Typ (z.B. Fahrstuhl, Tunnel)
- Andere Typen
Zwangsstörung
Bei einer Zwangsstörung wird den Ängsten mit Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen begegnet. Unter einem Zwang versteht man Gedanken, Vorstellungen, Impulse und Handlungen, die sich einem Menschen immer wieder stereotyp aufdrängen, obwohl er sich intensiv dagegen zu wehren versucht. Im Laufe der Zeit kann jedoch der Widerstand nachlassen, was bei einer chronifizierten Zwangsstörung häufig vorkommt. Zwänge werden von den Betroffenen als sinnlos, unangenehm, quälend und psychovegetativ belastend erlebt, sie werden als eigene Gedanken und Impulse erkannt, was große Schuldgefühle auslöst. Zwangsrituale erscheinen als lästig, aber unvermeidlich und dienen nicht der Durchführung nützlicher Tätigkeiten an sich, sondern nur dazu, die Anspannung zu mindern und vermeintliche Gefahren abzuwehren. Wenn die Zwänge nicht ausgeführt werden, kommt es zu großer Unruhe und Angst. Zwänge sind letztendlich erfolglose Versuche, Angstgefühle und andere unangenehme Gefühle zu reduzieren und das Gefühl der Sicherheit zu erhöhen. Wegen des Abwehraspekts von Ängsten wird die Zwangsstörung zu den Angststörungen gezählt. Zu den Zwangsstörungen zählen Zwangshandlungen wie beispielsweise Wasch- und Säuberungszwänge, Kontrollzwänge, Ordnungszwänge und Wiederholungszwänge. Zwangsgedanken sind zwanghafte Ideen, bildhafte Vorstellungen oder Zwangsimpulse, die sich dem Betroffenen in quälender Weise aufdrängen. Sie beziehen sich oft auf aggressive, sexuelle, obszöne oder gotteslästerliche Themen, wie beispielsweise Zwangsimpulse einer Mutter, ihr geliebtes Kleinkind mit dem Messer zu töten oder der Zwangsimpuls zu unkontrollierten verpönten sexuellen Handlungen.